Die Insolvenz der REVO Hotelgruppe nimmt die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) zum Anlass, in einem Schreiben an Spitzenpolitiker aus Bund und Ländern die wirtschaftliche Stabilisierung der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit) im Jahr 2026 zur politischen Priorität zu machen. Es sind Vorschläge, das Überleben zu sichern
in dem Schreiben werden konkrete Vorschläge gemacht, wie Kosten zu reduzieren wären, z.B. durch das Vorziehen der bereits beschlossenen Senkung der Körperschaftsteuer auf 2026/2027, eine Deckelung der Sozialversicherungsbeitrage und das Einfrieren des CO₂-Preises bis 2030 vor. Auch Maßnahmen zur Umsatzsteuerung, Mitarbeiterunterstützung und -gewinnung finden sich im Brief, der hier abgerufen werden kann.

„Der Fall REVO steht exemplarisch für die strukturelle Überlastung eines personal- und kostenintensiven Sektors, dessen wirtschaftliche Puffer vielfach aufgebraucht sind“, wird Dirk Iserlohe zitiert, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Denkfabrik. „In einer solchen Situation wirken zusätzliche Kosten und neue Abgaben schnell existenzbedrohend. Ein Belastungsmoratorium ist deshalb kein politischer Stillstand, sondern ein notwendiges Instrument zur Stabilisierung und Resilienzstärkung.“ Homeira Amiri, DZG-Aufsichtsratsvorsitzende: „Die Gastwelt ist weit mehr als ein Wirtschaftszweig. Sie ist sozialer Raum, Arbeitgeber und Standortanker. Wer gesellschaftliche und regionale Stabilität sichern will, muss der Gastwelt jetzt Verlässlichkeit geben.“
In ihrem Schreiben macht die Denkfabrik deutlich, dass Insolvenzen wie im Fall REVO weitreichende Folgewirkungen entfalten. Betroffen sind nicht nur Unternehmen und Beschäftigte, sondern auch Zulieferer, Immobilieneigentümer, Finanzierungsstrukturen und öffentliche Haushalte – etwa durch Steuerausfälle und steigende Ausgaben für Insolvenzgeld. Zwar würdigt die DZG ausdrücklich die beschlossene Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen ab 2026 als wichtigen politischen Entlastungsschritt. Zugleich warnt sie jedoch davor, diesen Effekt durch neue Belastungen, steigende Sozialabgaben oder zusätzliche Regulierung zu neutralisieren.
Aus Sicht der Denkfabrik braucht es daher ein breit angelegtes Belastungsmoratorium, das gezielt auf Kostenreduzierung und Liquiditätssicherung abzielt. Dazu zählen z.B. das Vorziehen bereits beschlossener steuerlicher Entlastungen, ein Stopp zusätzlicher kommunaler Abgaben wie City- oder Verpackungssteuern, eine Deckelung bei den Sozialabgaben sowie das Einfrieren weiterer Kostensteigerungen, etwa beim CO₂-Preis oder den Stromkosten. „Stabilisierung bedeutet nicht Reformverzicht“, betont Dirk Iserlohe. „Sie schafft den notwendigen zeitlichen Spielraum, um Beschäftigung zu sichern, Investitionen wieder zu ermöglichen und wirtschaftliche Substanz zu erhalten.“
PS: Die hier zum Anlass genommene Insolvenz von REVO ist allerdings auch hausgemacht. Sie auf den Kostendruck zu schieben, ist ein wenig naiv, wenn nicht vorgetäuscht naiv. Die Zahlungsunfähigkeit ist mindestens auch auf Managementfehler zurück zuführen. Vor allem die Buchungsausfälle bei einigen der Gruppe zugehörigen Hotels vor der Insolvenzerklärung dürfte einem Wiedererwecken der REVO in der bisherigen Form erheblich im Wege stehen. Dass sich Dirk Iserlohe in dem Schreiben so deutlich artikuliert ist kein Zufall, ist er doch der Initiator der neuen Dorint, eine Hotelkette, deren Wiedererwecken Familien zu danken ist, die in das Geschäftsmodell investierten und nicht eines Tages das dafür locker gemachte Kapital abschreiben wollen.