Wie Indien sich in Europa breit macht

Das in Neu Delhi ansässige Hotelunternehmen Sunday PropTech – übrigens die Eigentümergesellschaft von Prism, welche sich aktuell in Europa breit macht –  hat die Übernahme von 100 % der niederländischen Hotelkette Fletcher Hotels vereinbart. Verkäufer sind laut NL Times die niederländische Private-Equity-Gesellschaft Egeria und das aktuelle Führungsteam von Fletcher.

Fletcher betreibt 170 Hotels, hauptsächlich in den Niederlanden, aber auch einige in Belgien und Deutschland. Im September erwarb Sunday PropTech eine bedeutende Beteiligung an der Amsterdamer Boutique-Hotelkette Sircle Collection, zu der Sir Hotels gehören. Prism übernahm im Juli 40 Hotels in Großbritannien . Laut CoStar News Hotels handelt es sich dabei um eine Mischung aus größeren Hotels und historischen Häusern.

Wie Fletcher entstand

Die Entstehung der Fletcher-Gruppe ist eine klassische Unternehmergeschichte, die auf Chris Luken und sein Haustier zurück geht. Der junge Mann – der seine Karriere einst als Kellner bei Van der Valk begann – erfand in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts das System der „Hotelbon“ (Hotelgutscheine). Mit diesen Gutscheinen kann man über ein Abonnement günstig in Hotels übernachten.

Das funktionierte so gut und war so rentabel, dass Luken beschloss, selbst in die Hotellerie einzusteigen. Im Jahr 1997 kaufte er ein erstes eigenes Hotel (das Hotel Koogerend auf der niederländischen Insel Texel). Da er einen passenden Namen für sein neues Hotelunternehmen suchte, benannte er die Kette kurzerhand nach seinem Hund, der Fletcher hieß.

Wachstum durch Übernahmen

Fletcher wuchs in den Folgejahren kaum durch Neubauten, sondern durch eine sehr gezielte und erfolgreiche  Übernahmestrategie von bereits bestehenden Hotels: Man kaufte bevorzugt inhabergeführte Familien- und Privathotels (oft mit rund 100 Zimmern) in landschaftlich attraktiven Regionen auf, bei denen die Besitzer keinen Nachfolger hatten, Diese Hotels wurden modernisiert, behielten aber oft ihren individuellen, historischen Charme und wurden in das zentrale Vermarktungs- und Gutscheinsystem von Fletcher integriert. Allein in den letzten zehn Jahren wurden auf diese Weise rund 60 Hotels addiert.

Im Jahr 2016 zog sich Gründer Chris Luken aus dem operativen Geschäft zurück und verkaufte seine Anteile im Rahmen eines Management-Buy-outs an das langjährige Führungsteam um CEO Rob Hermans. Es folgten IBeteiligungen durch verschiedene Finanzinvestoren (darunter die Beteiligungsgesellschaft Egeria im Jahr 2021), die das Wachstum massiv beschleunigten, den Sprung nach Deutschland einleiteten und die Kette an die indische Prism Hospitality (Sunday Proptech) übergaben.

Das Beitragsfoto ist ein Screenshot von der Webseite der Fltcher Hotels